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Cadolzburg Aktuell

Trinkwassersituation in Cadolzburg

Artikel vom20.10.2025

Öffentliche Stellungnahme der Bürgermeisterin

Aktualisierte öffentliche Stellungnahme der 1. Bürgermeisterin zur Trinkwassersituation

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

in Ergänzung meiner öffentlichen Stellungnahme vom 13.10.2025 erhalten Sie hier, stellvertretend für das ganze Team in der Störfallbearbeitung, aktualisierte Informationen zur Trinkwassersituation in Cadolzburg.

Was bisher geschah:

Unser Trinkwasser wird grundsätzlich routinemäßig auf verschiedene Parameter hin untersucht, nach den Vorgaben der Trinkwasserverordnung. Daneben gibt es sog. anlassbezogene Untersuchungen: Seit dem späten Frühjahr 2025 findet in der Markgraf-Alexander-Straße eine größere Baumaßnahme statt – der Vollausbau der Straße, u. a. einschließlich Erneuerung der Wasserleitung.

Wie bei allen Leitungsbaumaßnahmen wurden die neuen Leitungsabschnitte nach jedem Baufortschritt gemäß den gesetzlichen Vorgaben gespült, auf Dichtheit geprüft, desinfiziert und anschließend vom akkreditierten Trinkwasserlabor beprobt. Dabei werden sämtliche Standardparameter der Trinkwasserverordnung untersucht – seit der Novelle 2023 auch der Umweltkeim Pseudomonas aeruginosa.

Erstmals wurde in einer dieser Proben eine Belastung mit Pseudomonas aeruginosa festgestellt. Zuvor waren bereits leicht erhöhte allgemeine Keimzahlen aufgefallen, jedoch ohne Nachweis konkreter Krankheitserreger.

Die Ursachenanalyse ergab mehrere mögliche Szenarien:

  • Eine Verunreinigung könnte über die neu eingebaute Leitung bzw. im Zuge der Umbindungen (Hauptleitungen, Hausanschlüsse) ins Netz gelangt sein
  • Ebenso ist denkbar, dass der Keim bereits im bestehenden Netz vorhanden war und bislang unentdeckt blieb.

Aufgrund der insgesamten Einschätzung der Baustellenabwicklung dürfte diese jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit ursächlich für die auftretenden Keime gewesen sein, was freilich nicht beweisbar ist.

Ab dem 19. August 2025 wurde das umgebende Netz im Umgriff an mehreren Stellen beprobt. Dabei wurde in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt zunächst nur die Hochzone untersucht, da aufgrund der Zonentrennung eine Verkeimung der Tiefzone nicht zu befürchten war. Nach dem Auftreten mehrerer Positivbefunde wurde vorsorglich durch das Gesundheitsamt Fürth ein Abkochgebot ausgesprochen, und es war nach Anordnung eine Netzchlorung einzurichten.

Die zunächst eingesetzte herkömmliche Chlorbleichlaugen-Dosierung zeigte jedoch nicht die gewünschte Wirksamkeit gegen Pseudomonaden, und erreichte auch nicht die erforderliche Reichweite im Netz. Daher wurde am 19. September 2025 ein auf kommunale Trinkwasserversorgung spezialisierte Ingenieurbüro aus Ansbach hinzugezogen. Es empfahl ein innovatives Anolyt-Chlorungsverfahren, das kurz darauf in der Hochzone in Betrieb genommen wurde. Dieses Verfahren führte zu einer deutlichen Verbesserung der mikrobiologischen Werte und erstmals zur Stabilisierung der Desinfektionswirkung.

Ende September 2025 wurde vorsorglich auf Empfehlung des Büros aus Ansbach die Integrität der Trennung der Hoch- und Tiefzone überprüft. Am 2. Oktober stellten die Fachleute gemeinsam mit dem Gesundheitsamt fest, dass deutliche Mengen Chlor auch in der Tiefzone nachweisbar waren – ein Hinweis auf eine mögliche Verbindung beider Versorgungszonen. Nach dem Besorgnisgrundsatz ordnete das Gesundheitsamt daher vorsorglich eine Chlorung auch für die Tiefzone an, womit ab diesem Zeitpunkt formal das ganze Netz von dem Geschehen betroffen war.

Weitere mikrobiologische Untersuchungen bestätigten, dass in der Tiefzone tatsächlich auch vereinzelte Keimnachweise mit Pseudomonaden vorliegen.

Mit diesem Befund war durch das Gesundheitsamt ergänzend – bis zur Stabilisierung der Netzchlorung nunmehr auch in der Tiefzone – ein Abkochgebot für das ganze Wasserversorgungssystem anzuordnen.

Wo stehen wir jetzt

Seit der behördlichen Anordnung zur Chlorung ist einige Zeit vergangen – und viele Bürgerinnen und Bürger fragen sich zu Recht, warum der Prozess so lange gedauert hat.

Der Grund liegt darin, dass das bestehende Versorgungssystem der Tiefzone ursprünglich nicht hinreichend für eine Chlorung ausgelegt wurde. Bei der Planung des Versorgungssystem in der Vergangenheit und wohl auch bei der Konzipierung der Behälteranlage beim Wasserwerk wurde eine Netzdesinfektion des Trinkwassers – wie sie in vielen anderen Versorgungen üblich ist – wohl nicht vorrangig vorgesehen.

Diese nunmehr offenkundig werdende technische Ausgangslage stellte alle Beteiligten vor erhebliche Herausforderungen:
Um die Chlorung sicher, wirksam und gesetzeskonform umzusetzen, mussten neue Anlagenteile installiert, Dosierpunkte geschaffen und technische Abläufe angepasst werden. Diese Arbeiten waren mit hohem personellem, logistischem und finanziellem Aufwand verbunden und konnten nur Schritt für Schritt erfolgen, ohne zugleich die laufende, unterbrechungsfrei zu sichernde Trinkwasserversorgung zu gefährden.

Seit Freitag, den 17. Oktober 2025, läuft nun die Chlorung mit dem modernen Anolyt-Verfahren im gesamten Versorgungsnetz – also in Hoch- und Tiefzone gleichermaßen. Dieses Verfahren gilt als besonders wirksam gegen Umweltkeime wie Pseudomonas aeruginosa und ist zugleich deutlich geruchsärmer und materialschonender sowie noch besser verträglich auch für besonders sensible Menschen als das ursprünglich eingesetzte, herkömmliche Verfahren.

Sobald die Chlorung im gesamten Netz stabil nachgewiesen ist, kann das Gesundheitsamt das bestehende Abkochgebot aufheben. Die Entscheidung darüber liegt alleine in der Verantwortung des Amtes. Die notwendigen Voraussetzungen dafür müssen die Gemeindewerke liefern. Damit wäre die volle Trinkwasserqualität nach den Vorgaben der Trinkwasserverordnung wiederhergestellt.

Wie lange dauert es, bis alles wieder gut ist?

Diese Frage beschäftigt uns alle – und leider lässt sie sich derzeit noch nicht eindeutig beantworten.

Entscheidend ist, dass die Ursache des Keimeintrags zweifelsfrei gefunden und beseitigt wird. Erst wenn klar ist, an welcher Stelle und unter welchen Umständen die Verunreinigung ins System gelangt ist, kann das Netz nachhaltig keimfrei gehalten werden.

Sobald diese Ursache sicher abgestellt ist, wird die Keimfreiheit im gesamten Leitungsnetz in wenigen Wochen erreichbar sein. Bis dahin bleibt die Chlorung als Vorsichtsmaßnahme in Betrieb und wird kontinuierlich überwacht, um jederzeit die hygienische Sicherheit des Trinkwassers zu gewährleisten.

Zum Ausstieg aus der Netzchlorung werden wir auch nochmals erneut eine Abkochempfehlung aussprechen, da der schützende Chlorschirm mit dem Verbrauch schwindet, und erst dann vollkommen belastbare mikrobiologische Befunde erzielbar sind.

Auch danach werden wir das Netz noch einige Zeit engmaschig kontrollieren und beproben, um sicherzustellen, dass die getroffenen Maßnahmen dauerhaft wirken und das Trinkwasser in gewohnter Qualität geliefert werden kann.

Zur Medien-Berichterstattung des „Umweltkeims“ als so genannter „Krankenhauskeim“

Bezugnehmend auf Medienberichte über den Nachweis eines sogenannten „Krankenhauskeims“ im Cadolzburger Trinkwasser möchten wir klarstellen:

Der nachgewiesene Keim (Pseudomonas aeruginosa) ist kein im Krankenhaus entstandener Krankenhauskeim, sondern ein in der Umwelt weit verbreitetes Bakterium, das natürlicherweise in Wasser, Erde und feuchten Umgebungen vorkommt.

Gesunde Menschen müssen in der Regelkeine gesundheitlichen Folgen befürchten. Nur für bestimmte vulnerable Personen – etwa Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem oder chronischen Wunden – kann der Keim ein Risiko darstellen.

Wichtig ist zu verstehen: Trinkwasser ist grundsätzlich nicht steril. Auch bei geringfügigen Überschreitungen von Grenzwerten besteht in der Regel keine unmittelbare gesundheitliche Gefahr. Die jetzt laufende Chlorung dient daher der zusätzlichen Absicherung und Vorsorge – nicht der Gefahrenabwehr.

Das Gesundheitsamt Fürth steht in engem Austausch mit der Gemeinde und überwacht alle Maßnahmen. Das Trinkwasser ist dank der laufenden Chlorung unter Beachtung des bestehenden Abkochgebots gesundheitlich unbedenklich und sicher verwendbar.

Wir wissen, dass die Situation Geduld und Vertrauen verlangt – und wir versichern Ihnen: Alle Beteiligten arbeiten mit höchster Sorgfalt und Entschlossenheit daran, die Normalität so schnell wie möglich wiederherzustellen.

Aktuelle Informationen und Service

Transparenz bleibt uns weiterhin besonders wichtig. Daher informieren wir Sie regelmäßig über alle neuen Entwicklungen:

  • Auf unseren Social-Media-Kanälen – Facebook und Instagram – erhalten Sie mehrmals pro Woche aktuelle Updates zur Trinkwassersituation, zu laufenden Maßnahmen und zu den nächsten Schritten.
  • Die aktuellen Laborergebnisse der Trinkwasseruntersuchungen veröffentlichen wir fortlaufend auf der Website der Marktgemeinde Cadolzburg: Zur Website
  • Eine stets aktuelle Übersicht der häufigsten Fragen und Antworten (FAQs) zur Trinkwassersituation steht dort ebenfalls zum Download bereit: Zur Website

So bleiben Sie jederzeit auf dem neuesten Stand – transparent, zuverlässig und direkt aus erster Hand.

Dank für Ihre Geduld und Unterstützung

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

in den vergangenen Wochen haben Sie viel Geduld, Verständnis und Mitwirkung gezeigt – dafür danke ich Ihnen von Herzen.

Mir ist bewusst, dass die Einschränkungen, die Situation rund um das Abkochgebot und die anhaltenden Maßnahmen im Alltag für viele von Ihnen spürbar sind. Umso mehr schätze ich Ihre Ruhe, Ihr Vertrauen und die vielen ermutigenden Rückmeldungen, die uns erreicht haben.

Ein herzliches Dankeschön gilt auch all jenen, die durch umsichtiges Handeln, Nachfragen oder Unterstützung im Alltag dazu beitragen, dass wir gemeinsam gut durch diese herausfordernde Zeit kommen.

Ich versichere Ihnen: Wir arbeiten mit aller Kraft daran, die Ursachen zu beseitigen, die Keimfreiheit vollständig wiederherzustellen und die Trinkwasserversorgung langfristig noch sicherer zu machen.

Gemeinsam werden wir diese Situation meistern – und gestärkt daraus hervorgehen.

 

Freundliche Grüße

 

Sarah Höfler

1. Bürgermeisterin