In der Sitzung des Marktgemeinderates am 19.01.2026 wurde der Haushalt 2026 beschlossen (Beratung und Beschlussfassung über die Haushaltssatzung einschließlich Haushaltsplan, Finanzplan und Stellenplan des Marktes Cadolzburg für das Haushaltsjahr 2026). Hier finden Sie die Haushaltsrede der 1. Bürgermeisterin Sarah Höfler:
Sehr geehrte Bürgerinnen und Bürger,
sehr geehrte Mitglieder des Gemeinderates,
wir beschließen heute den Haushalt 2026. Und ich sage es gleich zu Beginn klar: Dieses Jahr ist ein Wendepunkt. 2026 wird kein Weiter-so. Wir stehen an einem Punkt, an dem Aufschieben teurer ist als Anpacken. Jetzt geht es ans Eingemachte.
Haushalte sind Momentaufnahmen – politische Verantwortung ist ein Prozess. Deshalb lohnt sich der Blick auf die letzten Jahre:
2024 haben wir Stabilität gesichert. In einem schwierigen Umfeld haben wir investiert, um unseren Handlungsspielraum nicht zu verlieren.
2025 haben wir Konsolidierung angekündigt, analysiert, strukturiert und priorisiert.
Es gab noch Puffer – finanziell, organisatorisch und zeitlich.
2026 sind diese Puffer weitgehend aufgebraucht. Die Rücklagen, die uns Zeit verschafft haben, stehen nicht mehr zur Verfügung. Jetzt müssen wir sanieren, entscheiden und handeln.
Alle Fraktionen haben sich in den vergangenen Wochen intensiv eingebracht. Es wurde gerungen und nach Lösungen gesucht. Und trotzdem ist klar: Das definierte Einsparziel wurde nicht erreicht. Nicht, weil der Wille gefehlt hätte, sondern weil die strukturellen Belastungen inzwischen stärker sind als die Stellschrauben im Haushalt. Das ist die Realität, und dieser Realität stellen wir uns heute.
Ein Blick in die Zahlen verdeutlicht das:
Im Ergebnishaushalt stehen ordentlichen Erträgen von 38,7 Mio. Euro ordentliche Aufwendungen von 30,15 Mio. Euro gegenüber. Das führt zu einem positiven Saldo – allerdings getrieben durch Einmaleffekte aus Vermögensverkäufen, die sich nicht wiederholen. Das ist kein strukturelles Plus.
Im Finanzhaushalt ergibt sich aus der laufenden Verwaltung ein negativer Saldo von –2,41 Mio. Euro. Übersetzt heißt das: Unser Alltagsbetrieb kostet mehr, als unsere laufenden Einnahmen hergeben. Das kann eine Kommune für einen begrenzten Zeitraum kompensieren – auf Dauer wird es gefährlich.
Wir werden keine Zahlungsunfähigkeit riskieren. Wir schützen unsere Zahlungsfähigkeit aktiv, um handlungs-, innovations- und investitionsfähig zu bleiben.
Um diese Handlungsfähigkeit zu sichern, werden wir 2026 unsere liquiden Mittel weiter abbauen und eine Kreditaufnahme in Höhe von 1 Million Euro beim Markt Cadolzburg einplanen. Wir vermeiden Schulden, wo es möglich ist. Aber wenn Schulden notwendig werden, dann müssen sie werthaltig sein – also Werte erhalten, Infrastruktur sichern und Zukunftsfähigkeit stärken, statt Löcher zu stopfen.
Parallel dazu nehmen die Gemeindewerke Schulden für Investitionen in Wasser-, Abwasser-, Energie- und Netzinfrastruktur auf. Diese Investitionen sichern Daseinsvorsorge und Versorgungssicherheit und verhindern höhere Folgekosten.
Aus der Vergangenheit wissen wir: Ständig verschobene Maßnahmen führen dazu, dass aus Reparaturen Erneuerungen werden – zu einem deutlich höheren Kostenaufwand. Diese Lektion nehmen wir mit ins Jahr 2026.
Damit ist klar: 2026 ist kein Jahr für freiwillige Nice-to-Have-Projekte. Wir konzentrieren uns auf unsere Pflichtaufgaben und die Daseinsvorsorge. Freiwillige Leistungen stellen wir 2026 konsequent auf den Prüfstand.
Dazu gehört auch der Blick auf die Einnahmeseite. Wir werden Gebühren und Beiträge prüfen müssen, die seit Jahren nicht angepasst wurden – beispielsweise im Bereich Friedhof und Verwaltungsleistungen. Im Bereich der Gemeindewerke werden wir zudem über Verbesserungsbeiträge sprechen müssen, um Refinanzierung sicherzustellen und die Genehmigungsfähigkeit der Wirtschaftspläne gegenüber der Rechtsaufsicht zu gewährleisten. Gleichzeitig werden wir gemeinsam mit der neuen Werksleitung Förder- und Zuschussmöglichkeiten aktiv nutzen, die bislang nicht ausgeschöpft wurden.
Wir werden uns ehrlich fragen müssen:
– Was wollen wir uns noch leisten?
– Was können wir uns noch leisten?
– Was bezuschussen wir?
– Was streichen wir?
– Und was geben wir auf?
Gleichzeitig sage ich ebenso deutlich, was wir nicht tun werden: Wir werden uns nicht kaputtsparen. In der Krise muss investiert werden – gerade in der Krise. Der größte Fehler wäre jetzt, die Investitionsfähigkeit zu zerstören und am Ende nur noch reagieren zu können statt zu gestalten.
Wir werden offen kommunizieren, warum wir was tun. Transparenz ist keine Option, sondern Pflicht. Die Bürgerinnen und Bürger haben ein Recht darauf zu wissen, warum wir investieren, warum wir sanieren und warum wir in manchen Bereichen auch Nein sagen müssen.
Wir werden diese Entscheidungen treffen – nicht, weil wir wollen, sondern weil wir müssen, um unsere Zahlungsfähigkeit zu schützen und unsere Investitionsfähigkeit zu erhalten. Denn nur so schaffen wir uns wieder Luft, um gestalten zu können. Konsolidierung ist kein Selbstzweck. Sie dient dazu, Raum für neue Ideen, Projekte und Verbesserungen zu öffnen. Haushaltskonsolidierung ist ein langer und intensiver Weg – und er gelingt nur gemeinsam: Gemeinderat und Verwaltung.
Und wir werden das gemeinsam tun. Verwaltung und Gemeinderat tragen gemeinsam Verantwortung. Die Herausforderungen der kommenden Jahre werden wir nur bewältigen, wenn wir sie gemeinsam annehmen, gemeinsam entscheiden und gemeinsam tragen.
Denn am Ende geht es um mehr als um Zahlen. Es geht darum, ob Cadolzburg in fünf oder zehn Jahren gestaltet oder nur noch verwaltet.
Und ich sage klar:
Cadolzburg will nicht verwalten. Cadolzburg will gestalten.
Vielen Dank.




